Praktikumsbericht vom Schülerpraktikanten Marc
Geschrieben von Marc aus der 10. Klasse einer Hamburger Schule. Fach: Politik – Gesellschaft – Wirtschaft
Wir danken dir sehr herzlich für dein Engagement!
1 Einleitung
Vom 15. Juni bis zum 3. Juli 2026 habe ich mein Schulpraktikum bei Rechtsanwälte Mook in Hamburg absolviert. Die Praktikumszeit umfasste 15 Arbeitstage. Ich hatte mich bewusst für eine Anwaltskanzlei entschieden, weil ich mich schon vor dem Praktikum für Jura und den Beruf des Anwalts interessierte. Ich wollte nicht nur etwas über den Beruf lesen, sondern selbst sehen, wie juristische Arbeit im Alltag aussieht.
Meine Erwartungen waren deshalb recht konkret. Ich wollte lernen, wie man eine Akte liest, einen Sachverhalt ordnet und daraus eine rechtliche Fragestellung entwickelt. Außerdem war mir wichtig, dass mein Betreuer mir etwas erklärt und ich nicht drei Wochen lang nur am Computer sitze. Ich hoffte auch, bei einem Mandantengespräch und einem Gerichtstermin dabei sein zu können. Das Praktikum sollte für mich deshalb auch eine Art Test sein, ob der Beruf tatsächlich zu mir passt.
2 Informationen über den Betrieb und meine Tätigkeitsfelder
2.1 Die Praktikumsstelle
Rechtsanwälte Mook ist eine seit mehr als 30 Jahren bestehende Kanzlei mit Sitz in Hamburg. Im Impressum wird sie als „Gemeinschaft von Rechtsanwälten“ bezeichnet. Die Kanzlei arbeitet unter anderem in den Bereichen Arbeitsrecht, Immobilienrecht, Gesellschaftsrecht, Erbrecht und Insolvenzrecht und berät sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen. Zu den typischen Aufgaben gehören die rechtliche Beratung und die Vertretung von Mandanten vor Gericht.
Das Bürogebäude machte auf mich einen sehr modernen Eindruck. Es ist ein gläsernes Gebäude mit schwarzen Elementen und es liegt in der Nähe des Bahnhofs Berliner Tor. Die Kanzlei ist über eine ganze Etage verteilt. Es gab außerdem eine gemeinsame Küche, in der man sich Getränke nehmen konnte und auch manchmal andere Anwälte getroffen hat, was zu ganz netten Gesprächen geführt hat.
Mein Betreuer war Dr. iur. Peter Mook. In der Kanzlei arbeiten mehrere Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen, Sekretariatskräfte und Praktikanten. Mein Betreuer hat eine leitende Position und war für meine Aufgaben und Gespräche zuständig. Die Eigentums- / Haftungsstruktur konnte ich leider nicht herausfinden.
2.2 Arbeitsorganisation und Arbeitsbedingungen
Ich hatte ein eigenes kleines Büro mit einem Computer und vielen juristischen Büchern. Meine Arbeitszeit war flexibel. An vielen Tagen kam ich zwischen 9 und 10 Uhr, machte gegen 13 Uhr Mittagspause und ging etwa um 15 Uhr, es gab aber auch Abweichungen. Mir wurde erklärt, dass sich die Arbeitszeit von Anwälten stark nach den Fällen richtet. Für mein Praktikum bedeutete das vor allem, dass die Aufgaben wichtiger waren als ein starrer Tagesablauf.
Als wichtige Fähigkeiten wurden mir vor allem genaues Arbeiten, ein gutes Auge für Details, sprachliches Können und die Fähigkeit zum Argumentieren genannt. Das konnte ich nachvollziehen, da ich auch so etwas in der Art erwartet habe. Als ich meinen Betreuer nach dem Einstieg ins Berufsleben gefragt habe, schilderte er mir diesen als sehr anspruchsvoll und sagte, dass gute Staatsexamen auf jeden Fall helfen. Die Bundesagentur für Arbeit nennt für 2025 nennt eine berufsspezifische Arbeitslosenquote von 2,6 Prozent.
Rechtsanwalt ist kein klassischer Ausbildungsberuf, sondern ein akademischer Beruf. In einer Kanzlei gibt es aber auch Ausbildungsberufe, zum Beispiel Rechtsanwaltsfachangestellte/r. Ob die Kanzlei Mook aktuell selbst ausbildet, konnte ich nicht sicher wissen. Beim Gehalt habe ich gelernt, dass die Unterschiede groß sind. Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit nennt für den Beruf „Fachanwalt/Fachanwältin“ in Hamburg einen Median von mehr als 8.050 Euro, dies ist jedoch ein Wert für Vollzeitbeschäftigte.
2.3 Meine Tätigkeiten und Erfahrungen
Der Schwerpunkt meiner Arbeit lag auf dem Lesen und Bearbeiten von Akten. Am ersten Tag bekam ich eine Akte und sollte den Fall selbstständig verstehen und zusammenfassen. Danach besprach ich meine Ergebnisse mit Dr. Mook. In den nächsten Tagen arbeitete ich mich in verschiedene Rechtsgebiete ein, unter anderem in das Arbeits- und Erbrecht, Schadensersatzfragen, Führungszeugnisse, Arbeitsverträge, Schriftsätze, Massenentlassungen, das Nottestament und das GmbH-Recht. Besonders interessant fand ich die Arbeit an einem erbrechtlichen Fall. Ich lernte dabei verschiedene Gesetze zu diesem Bereich kennen und durfte dann sogar bei dem Mandanten Gespräch beisitzen. In einem anderen Fall ging es um die Frage, wie ein Schaden an Fahrzeugen rechtlich zu beurteilen ist. Dafür recherchierte ich unter anderem im BGB und im StVG. Ich merkte, dass es nicht einfach reicht, einen passenden Paragrafen zu finden. Sondern man muss zuerst den Sachverhalt genau verstehen und dann prüfen, welche Vorschriften wirklich passen.
Ein weiterer Schwerpunkt war die juristische Auslegung. Ich beschäftigte mich mit Analogie, teleologischer Reduktion und allgemein damit, wie Gesetze ausgelegt werden. Dadurch wurde mir deutlich, dass Jura nicht nur aus dem Auswendiglernen von Paragrafen besteht, sondern, dass die Begründung, entscheidend seien kann.
Zwei Erlebnisse waren für mich besonders wichtig. Zum einen durfte ich bei dem Erbrechtsfall an einem Mandantengespräch teilnehmen. Dadurch konnte ich sehen, wie aus der schriftlichen Fallbearbeitung ein persönliches Gespräch wird. Und zum anderen besuchte ich einen Termin beim Arbeitsgericht. Auch diesen Fall hatte ich vorher in der Kanzlei gelesen. Dadurch konnte ich dem Verfahren gut folgen und sehen, wie Argumente vorgetragen werden. Das Verfahren endete mit einem Vergleich. Beide Erfahrungen waren für mich besonders interessant, weil sie mir einen Teil des Berufs gezeigt haben, den man aus den Büchern und Erzählungen kaum kennenlernt.
3 Reflexion der praktischen Erfahrung
3.1 Neu entdeckte Fähigkeiten und Grenzen
Eine wichtige neue Erkenntnis war für mich die Rückmeldung zu meiner analytischen Denkweise. Dr. Mook sagte mir mehrfach, dass ich komplexe Sachzusammenhänge schnell verstehen und juristische Probleme gut erfassen könne. Besonders motivierend war für mich, dass er meine Arbeit nicht nur allgemein lobte, sondern sich konkret auf mein Verständnis eines schwierigen Zusammenhangs bezog.
Auch meinen Arbeitsstil habe ich besser kennengelernt. Es hilft mir, Gedanken zuerst auf einem Notizzettel zu sammeln und die Aufgaben anschließend zu strukturieren. Gerade bei einer umfangreichen Akte konnte ich so wichtige Punkte ordnen. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass ich aufpassen muss, mich nicht zu sehr in Einzelheiten zu verlieren.
Mein persönliches Auftreten wurde ebenfalls zu einem Thema. Ich habe gemerkt, dass ich mich in schickerer Kleidung selbstbewusster fühle. Besonders in einer Kanzlei hatte ich mit Anzug oder anderer formeller Kleidung das Gefühl, automatisch aufrechter und sicherer aufzutreten.
3.2 Fähigkeiten, die ich noch verbessern möchte
Verbessern möchte ich vor allem mein sicheres Auftreten vor mehreren Personen. Im Einzelgespräch kann ich sehr entspannt und sicher reden, aber vor einer größeren Gruppe werde ich dagegen schneller unsicher, verspreche mich und werde nervös. Ich möchte deshalb lernen, ruhiger zu sprechen, spontane Antworten sicherer zu formulieren und auch dann überzeugend aufzutreten, wenn ich nicht jeden Satz vorher planen konnte. Diese Fähigkeit erscheint mir für einen späteren Beruf als Anwalt besonders wichtig.
3.3 Veränderungen meiner Vorstellungen über Arbeit
Meine grundsätzliche Vorstellung vom Anwaltsberuf hat sich nicht völlig verändert. Ich hatte vorher schon erwartet, dass viel gelesen, recherchiert und argumentiert wird. Mein Bild ist aber deutlich konkreter geworden. Vor allem habe ich gesehen, wie viele Schritte zwischen einer Akte und einem fertigen Fall liegen. Außerdem wurde mir klar, dass der Alltag nicht jeden Tag gleich abläuft. Nach Dringlichkeit, kann ein Gespräch oder ein Gerichtstermin auch einen ganzen Arbeitstag kurzfristig verändern.
3.4 Nutzen und persönliche Bedeutung des Praktikums
Für mich war das Praktikum sehr nützlich, weil es ein realistischer Test meines Berufswunsches war. Vorher kannte ich den Beruf vor allem aus Erzählungen, Informationen und Darstellungen in Filmen oder Serien. Jetzt konnte ich mir selbst ein Bild machen. Besonders wichtig war, dass ich eigene Aufgaben bekam und meine Ergebnisse anschließend mit meinem Betreuer besprechen konnte. Dadurch habe ich nicht nur zugesehen, sondern einen ersten Einblick in die tatsächliche Arbeitsweise bekommen.
4 Reflexion des Praktikums insgesamt
4.1 Erfüllung meiner Erwartungen
Meine Erwartungen wurden zu einem sehr großen Teil erfüllt. Besonders wichtig war mir, etwas beigebracht zu bekommen und nicht nur am Computer zu arbeiten. Genau das ist passiert. Ich bekam eigene Aufgaben, konnte Fragen stellen und meine Ergebnisse regelmäßig mit Dr. Mook besprechen. Auch meine Erwartung, ein Mandantengespräch und einen Gerichtstermin zu erleben, wurde erfüllt. Natürlich hätte ich gerne noch mehr solcher Termine gesehen, aber für drei Wochen war die Erfahrung umfangreich.
4.2 Neue Erkenntnisse und Einsichten
Die wichtigste Erkenntnis ist für mich gleichzeitig eine Bestätigung. Ich konnte schon vor dem Praktikum vorstellen, später Anwalt zu werden. Nach dem Praktikum weiß ich aber aus eigener Erfahrung, dass mir diese Arbeit tatsächlich Spaß macht, soweit ich das realistisch beurteilen kann. Ich mochte es, Fälle Schritt für Schritt zu analysieren, Informationen zu sortieren und nach einer rechtlichen Lösung zu suchen. Gleichzeitig habe ich verstanden, dass ein großer Teil der Arbeit hinter den Kulissen stattfindet: lesen, recherchieren, schreiben und vorbereiten.
4.3 Konsequenzen für meine weitere Schullaufbahn
Für meine weitere Schullaufbahn bleibt besonders die Wahl des Oberstufenprofils wichtig. Einerseits könnte ein gesellschaftswissenschaftlich ausgerichtetes Profil, wie z.B. das IB, gut zu meinem Interesse an Jura passen. Andererseits interessieren mich wissenschaftliche Fächer sehr, und ich könnte mir vorstellen, dass mir ein naturwissenschaftliches Profil vielleicht mehr Spaß macht. Ich sehe die Entscheidung deshalb nicht einfach als „Nutzen gegen Spaß“. Ein Profil, in dem ich gerne arbeite, kann ebenfalls sinnvoll sein. Das Praktikum hat mir vor allem gezeigt, dass ich an meinen argumentativen und analytischen Fähigkeiten gerne weiterarbeiten möchte, wo bei mir auch von Dr. Mook gesagt wurde, dass wenn man gut in Mathe ist, man vielen Anwälten etwas voraus ist.
4.4 Einschätzung der Betreuung
Mit der Betreuung war ich sehr zufrieden. Ich glaube, dass ich mit Dr. Mook als Betreuer Glück hatte. Er war in vielen Themen sehr belesen und konnte mir nicht nur die konkreten Aufgaben erklären, sondern auch Fragen zum Studium und zur späteren Berufswelt beantworten. Besonders hilfreich fand ich die Gespräche beim Mittagessen, weil ich halt dort meine offenen Fragen zu dem Beruf des Anwalts stellen konnte.
5 Abschluss
Rückblickend waren die drei Wochen bei Rechtsanwälte Mook für mich eine sehr lehrreiche Erfahrung. Ich habe gelernt, wie man Akten liest und strukturiert, wie man in Gesetzestexten recherchiert und wie aus einem Sachverhalt eine juristische Fragestellung entsteht. Dazu kamen Einblicke in ein Mandantengespräch und einen Gerichtstermin. Dadurch habe ich nicht nur etwas über Jura, sondern auch über mich gelernt.
Mein Gesamteindruck ist sehr positiv. Das Praktikum hat mir einen realistischen Einblick in den Beruf des Rechtsanwalts gegeben und meinen bisherigen Berufswunsch deutlich bestärkt. Gleichzeitig habe ich erkannt, dass der Beruf viel Genauigkeit, Ausdauer, Fachwissen und Kommunikationsfähigkeit verlangt. Gerade die Verbindung aus analytischem Denken, debattieren und praktischer Anwendung hat mir gefallen. Ich schließe gerne den Bericht mit diesen Worten ab: Es ist eine sehr wertvolle Erfahrung und ich rate jedem ein Praktikum gemacht zu haben, da es mich bei meinem Berufswunsch gestärkt hat, jedoch könnten andere vielleicht eine Erfahrung machen, die sie ihren weiteren Werdegang überdenken lies.
Für mich ist eine sehr aufregende Erfahrung gewesen, die mir sehr viel gebracht hat.






